Summer Term 2016:

Forschungsseminar MA (T) 2.1. "Aesthetik und Poetik" - Theater und Katastrophe. Von der Peripetie der antiken Tragdie zu den Dispositiven gegenwaertiger Szenarien

Katastrophe (von gr.  katastrophe, woertlich: jaeher Umschwung, eine unabsehbare, radikale Wendung nach unten) taucht in der Antike als Bezeichnung fuer den Wendepunkt in der Tragoedie auf. Aristoteles nennt diesen Umschlag von Glueck in Unglueck "Peripetie". In der Moderne erhaelt "Katastrophe" dann seine bis heute uebliche Bedeutung: ein ploetzliches, einschneidendes Ereignis, ein Unglueck mit verheerenden Folgen. Dazu zaehlen Naturkatastrophen ebenso wie Unfaelle, Kriege und Terrorakte - ein Extremereignis also, das den menschen und seine Kultur in zerstoererischer Weise trifft.
Im christlich gepraegten Abendland steht der Katastrophe die Idee einer Apokalypse nahe: diese Schrift ist der letzte Teil im Neuen Testament; sie will Hoffnung geben auf eine Szenerie nach der Zerstoerung, nach dem Untergang. Im Gegensatz dazu denkt die Moderne - insbesondere das Atomzeitalter, wo stets die Moeglichkeit des Menschen zu seiner Selbstausloeschung besteht - vor allem "nackte" Apokalypsen, wie Guenther Anders es formuliert hat: Weltenden ohne Neubeginn.
Katastrophe und Apokalypse bedienen sich einer reichen Bildersprache, die sich bis heute in unser kulturelles Gedaechtnis eingeschrieben hat: Dunkelheit, Leere, Stille, Kaelte. Anhand ausgewaehtlter  Texte (etwa Theodor W. Adorno, Samuel Beckett, Sarah Kane, Hans-Thies Lehmann, Elfriede Jelinek) will unser Forschungsseminar der Frage nahgehen, wie sich  Imaginationen von Katastrophe in Dramaturgien,  aesthetische Strategien und szenische Ereignisse transformieren.


Summer Term 2015:

MA (T) 2.2.Zirkulationen des Politischen - "Aesthetik des Politischen - Politik des Aesthetischen. Von den Avantgarden zur Gegenwart. (mit Monika Meister)

Ausgehend von den Konzepten eines politischen Theaters in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts werden im Seminar Diskurse und Begriffe des Politischen in Bezug auf die Theateraesthetik erarbeitet. Im Mittelpunkt steht die Frage, was  politisches Theater eigentlich ausmacht: das theatrale (aesthetische) Aufarbeiten politischer Inhalte, Politische Autor/innenschaft  oder Interventionen in konventionelle Formstrukturen? Auf welche Weise, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen kann Theater, kann Kunst politisch sein oder werden? Gelesen werden Theatertexte und theoretische Texte von Erwin Piscator, Bertolt Brecht, Peter Weiss, Heiner Mueller, Rene Pollesch, Hans-Thies Lehmann; aus Anlass der Inszenierung von Die Schutzbefohlenen (Elfriede Jelinek) am Wiener Burgtheater wird es einen Schwerpunkt dazu geben.



Winter Term 2013/14:

170092 (Gruppe 1) SE MA (T) 2. 1. "Aesthetik und Poetik" - Forschungsseminar. Performancetheorie und -praxis. (mit Monika Meister)

In den fruehen 1960er Jahren laesst sich eine Entgrenzung der Kuenste, eine radikale Verschiebung aesthetischer Ordnungen beobachten. Fuer diese neuen kuenstlerischen Praktiken, die den Rahmen traditioneller Kunstrichtungen (u. a. Darstellende Kunst, Performing Arts, Musik, Literatur und Bildende Kunst) sprengen, etabliert sich der Begriff der Performance Art; Etwa mit Happenings, Body Art, Fluxus-Performances, Action Poetry oder Straßenaktionen tendieren KuenstlerInnen dazu, Ereignis, Auffuehrung, Form, Prozess ins Zentrum ihres kuenstlerischen Schaffens zu stellen. Sie zeigen großes Intersse an der Entwicklung der expressiven Moeglichkeiten des Koerpers, lehnen konventionelle Dramaturgie, Handlung, Charaktere und Sprache ab und stellen Kategorien wie  Zeit und Raum in Frage. Unter dem Begriff der Performance Art versammeln sich aesthetische Verfahrensweisen, die dem postmodernen Denken entsprungen sind. Diesem postmodernen Denken verbunden sind etwa auch das postdramatische Dispositiv sowie feministische und poststrukturalistische Theorien - Diskurse, die in den Praktiken der Performance Art immer wieder aufgenommen und verhandelt wurden. Im Zentrum des Forschungsseminars stehen historische und gegenwaertige Performancetheorien und Performancepraktiken. Anhand konkreter Beispielanalysen soll der Fokus auf bestimmte Kategorien (wie Raum, Zeit, Gender, die Relation ZuschauerInnen/PerformerInnen) gelegt werden, sodass ein aesthetisches Vokabular performativer Verfahrensweisen erkennbar wird.




Summer Term 2013:


170092 SE MA (T) 2. 1. "Aesthetik und Poetik" - Forschungsseminar. Hanns Eisler und Bertolt Brecht: Filmmusik, Theater, Texte. (mit Monika Meister) In Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum Wien.

170110 SE MA (T) 2. 1. "Aesthetik und Poetik" - Lekuereseminar. Hanns Eisler und Bertolt Brecht: Filmmusik, Theater, Texte. (mit Monika Meister). In Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum Wien.

Die kuenstlerische Zusammenarbeit des Komponisten Hanns Eisler und des Stueckeschreibers, Regisseurs und Theatertheoretikers Bertolt Brecht steht im Zentrum der Lehrveranstaltung. Inmitten einer "Atmosphaere des Zerfalls" (Hannah Arendt), die sich in Europa ausbreitet, ist es Brecht und Eisler darum zu tun, mittels neuer aesthetischer und politischer Verfahrensweisen die Kuenste zu revolutionieren. Der Zweite Weltkrieg zwingt sie ins Exil, unter anderem nach Amerika, wo sie ihre in Deutschland begonnene Zusammenarbeit fortsetzen. Ausgangspunkt fuer die Lehrveranstaltungen bilden ausgewaehlte Filme, zu denen Eisler die Musik komponierte; bei manchen arbeitete Brecht am Drehbuch mit. Diese Filme werden im April und Mai in Form einer Eisler-Retrospektive im Oesterreichischen Filmmuseum gezeigt, die Teilnahme an der Filmreihe ist verpflichtend. Ebenso sollten die Einfuehrungen sowie der Vortag von Johannes C. Gall am 18. und 19. 4. 2013 im Filmmuseum besucht werden. Zudem werden in Lektuereeinheiten theoretische Texte und Gespraeche, Materialien zu den poetischen Verfahren (Musik, Theater, Film, Text) von Brecht und Eisler analysiert und diskutiert.